Synapcus Benutzerhandbuch

Risiken und Risikomanagement

Zweck des Risikomanagements

Das Risikomanagement in Synapcus dient dazu, mögliche negative Ereignisse frühzeitig zu erfassen, fachlich einzuordnen und mit konkreten Maßnahmen zu verfolgen. Ein Risiko beschreibt ein noch nicht sicher eingetretenes Ereignis, das Ziele eines Projekts hinsichtlich Zeit, Budget, Qualität oder mehrerer Dimensionen gefährden kann.

Orientierung: Ein Problem ist bereits eingetreten. Ein Risiko kann noch eintreten. Sobald aus einem Risiko ein tatsächliches Problem wird, sollten die erforderlichen Aktivitäten, Terminfolgen, Kostenfolgen und gegebenenfalls Nachträge zusätzlich in den dafür vorgesehenen Projektbereichen dokumentiert werden.

Wo finde ich die Projektrisiken?

  1. Öffnen Sie Projekte und wählen Sie das gewünschte Projekt.

  2. Wechseln Sie zum Reiter Risiken.

  3. Die Liste zeigt die aktiven Risikoeinträge mit Kategorie, Gefahrenquelle, Bezeichnung, Impakt und Wahrscheinlichkeit.

  4. Öffnen Sie einen Eintrag über seinen Namen oder klicken Sie im bearbeitbaren Projekt auf Neu.

Die verfügbaren Schaltflächen hängen von Projektstatus, Bearbeitungsmodus, Rolle und Berechtigung ab. Typischerweise können Administration, Geschäfts- beziehungsweise Bereichsleitung, Projektleitung und Controlling Risiken anlegen.

Aufbau der Risikomaske

Risikomaske mit Kategorie, Gefahrenquelle, Impakt, Zieldimension und Wahrscheinlichkeit
Die Risikomaske verbindet Ursache, Auswirkungsstärke, betroffene Zieldimension und Eintrittswahrscheinlichkeit.

Feld oder Bereich

Bedeutung

Hinweis

Vorgang

Projekt oder anderer Prozess, zu dem das Risiko gehört

Wird beim Anlegen aus dem Projekt übernommen.

Bezeichnung

Kurzer, eindeutiger Risikotitel

Pflichtfeld; mindestens eine verständliche Kurzbezeichnung angeben.

Status

Bearbeitungsstand des Risikos

Neue Risiken beginnen im Status „geplant“.

Kategorie

Ursprung innerhalb oder außerhalb der eigenen Organisation

Auswahl: intern oder extern.

Gefahrenquelle

Standardisierte Ursache aus dem Risikokatalog

Die Liste richtet sich nach der gewählten Kategorie.

Impakt

Stärke der möglichen Auswirkung

Fünf Stufen von unbedeutend bis kritisch.

auf

Betroffene Zieldimension

Zeit, Budget, Qualität oder alle.

Wahrscheinlichkeit

Geschätzte Eintrittswahrscheinlichkeit

Als Prozentwert erfassen.

Beschreibung

Ursache, Ereignis, Wirkung, Frühindikatoren und Reaktion

So konkret schreiben, dass eine andere Person das Risiko übernehmen kann.

Aktivitäten

Maßnahmen, Aufgaben und Nachverfolgung

Maßnahmen bleiben direkt mit dem Risiko verbunden.

Historie

Nachvollziehbarkeit von Änderungen und Statuswechseln

Unterstützt Reviews und spätere Entscheidungen.

Risikokategorien und Gefahrenquellen

Synapcus unterscheidet zwei feste Risikokategorien:

Kategorie

Wann verwenden?

Typische Beispiele

intern

Die wesentliche Ursache liegt im eigenen Unternehmen, Projektteam oder eigenen Prozess.

Personalausfall, unklare Verantwortungen, Planungsfehler, schleppender Informationsfluss, fehlende Kapazität, fehlerhafte Kalkulation

extern

Die wesentliche Ursache liegt außerhalb der eigenen Organisation.

Wetter, Behörden, Auftraggeberentscheidungen, Lieferketten, Nachunternehmer, Baugrund, politische Ereignisse

Wichtig: „intern“ und „extern“ bewerten nicht, wer schuld ist. Entscheidend ist, wo die maßgebliche Ursache entsteht und wer sie am besten beeinflussen kann.

Für beide Kategorien existiert ein eigener Gefahrenquellenkatalog. Die Einträge sind administrativ konfigurierbar und können deshalb je Installation unterschiedlich sein. Beim Wechsel der Kategorie leert Synapcus die bisher gewählte Gefahrenquelle, damit keine interne Quelle mit einer externen Kategorie oder umgekehrt gespeichert wird.

Bewährte fachliche Gruppen für den Gefahrenquellenkatalog

Die folgenden Gruppen decken typische Bau-, Planungs- und Generalunternehmerprojekte ab. Sie dienen als Strukturierungshilfe; die tatsächlich auswählbaren Bezeichnungen werden in den Stammdaten Ihrer Installation gepflegt.

Gruppe

Typischer Ursprung

Beispiele

Organisation und Personal

intern

Erkrankung oder Kündigung einer Schlüsselperson, fehlende Vertretung, Kapazitätsengpass, ungeklärte Zuständigkeit

Kommunikation und Entscheidungen

intern oder extern

schleppender Informationsfluss, verspätete Freigaben, unvollständige Protokolle, widersprüchliche Auftraggebervorgaben

Planung und Schnittstellen

intern oder extern

Kollisionsfehler, fehlende Fachplanung, unklarer Planungsstand, BIM-Modell nicht synchron

Kalkulation und Controlling

intern

unvollständiges Leistungsverzeichnis, falsche Mengen, fehlende Reserven, nicht fortgeschriebenes Budget

Qualität und Ausführung

intern oder extern

Ausführungsmangel, Nacharbeit, ungeeignetes Material, unzureichende Prüfplanung

Arbeitssicherheit und Gesundheit

intern oder extern

Unfallgefahr, gefährliche Bauzustände, Krankheitswelle, fehlende Schutzmaßnahmen

Genehmigungen und Behörden

extern

verzögerte Baugenehmigung, zusätzliche Auflagen, ausstehende Verkehrsrechtliche Anordnung

Auftraggeber und Nutzer

extern

späte Entscheidungen, Planungsänderungen, fehlende Bemusterungsfreigabe, geänderter Nutzungsbedarf

Nachunternehmer und Lieferanten

extern

Insolvenz, Lieferverzug, fehlende Kapazität, Qualitätsmängel, Preisänderung

Markt und Finanzierung

extern

Materialpreissteigerung, Zinsänderung, Finanzierungsstopp, Fachkräftemangel

Politik und Geopolitik

extern

Embargo, Sanktionen, Grenzschließung, Exportbeschränkung, politische Unruhen

Wetter und Naturereignisse

extern

Starkregen, Hochwasser, Sturm, Hitze, Frost, lang anhaltender Niederschlag

Baugrund und Bestand

extern

Altlasten, Kampfmittel, unbekannte Leitungen, Grundwasser, nicht dokumentierte Bestandskonstruktion

Recht und Vertrag

intern oder extern

unklare Leistungsabgrenzung, Haftungsfrage, strittiger Nachtrag, fehlende Versicherungsdeckung

IT, Daten und Informationsmodelle

intern oder extern

Systemausfall, Datenverlust, falscher Planstand, Zugriffsproblem, inkompatible Austauschformate

Impaktstufen

Stufe

Bedeutung

Beispielhafte Einordnung

unbedeutend

Keine oder kaum messbare Zielabweichung

Kleine interne Abstimmung ohne Termin- oder Kostenfolge

minimal

Begrenzte Wirkung, im Tagesgeschäft auffangbar

Kurze Verschiebung ohne kritischen Pfad

bedeutend

Spürbare Abweichung; aktive Steuerung erforderlich

Mehrere Tage Verzögerung oder relevante Nacharbeit

wichtig

Erhebliche Gefährdung eines Projektziels

Meilenstein, Teilbudget oder wesentliche Qualitätsanforderung gefährdet

kritisch

Projektziel, Vertragserfüllung oder wirtschaftlicher Erfolg ernsthaft bedroht

Baustopp, gravierende Budgetüberschreitung oder sicherheitsrelevanter Mangel

Die Dimension alle ist sinnvoll, wenn mehrere Ziele wesentlich betroffen sind. Verwenden Sie nicht automatisch „alle“, wenn eine Dimension klar dominiert; eine präzise Zuordnung verbessert die spätere Auswertung.

Wahrscheinlichkeit und Farbanzeige

Die Wahrscheinlichkeit wird als Prozentwert erfasst. In der Risikomaske wird der Wert zur schnellen Orientierung farblich dargestellt:

Wahrscheinlichkeit

Darstellung

0 % bis unter 10 %

grün

10 % bis unter 25 %

hellgrün

25 % bis unter 50 %

orange

50 % bis unter 80 %

gelb-orange

80 % bis unter 90 %

blau

90 % bis 100 %

dunkelrot

Nicht verwechseln: Die Farbe visualisiert nur die Wahrscheinlichkeit. Ein seltenes Ereignis kann wegen seines kritischen Impakts dennoch höchste Aufmerksamkeit erfordern.

Synapcus speichert Impakt und Wahrscheinlichkeit getrennt. Es wird kein automatischer Gesamtwert aus beiden Angaben berechnet. Die Priorisierung bleibt eine fachliche Entscheidung der Projektverantwortlichen.

Risiken in der Heat-Map überblicken

Unter Projekte → Risiken → Alle fasst das Risiko-Diagramm die aktiven Risiken der zugänglichen Projekte zusammen. Interne und externe Risiken fließen in die Auswertung ein; die darunterliegende Liste zeigt zusätzlich Prozess, Kategorie, Gefahrenquelle, Bezeichnung, Impakt und Wahrscheinlichkeit. Im Reiter Risiken eines einzelnen Projekts bleibt die Sicht dagegen auf dieses Projekt begrenzt.

Risiko-Diagramm 2026 als Heat-Map mit Bauprojektrisiken
Je weiter rechts und oben ein Risiko liegt, desto größer ist sein Handlungsbedarf.

So lesen Sie das Risiko-Diagramm

  • Horizontale Achse – Impakt: unbedeutend, minimal, bedeutend, wichtig und kritisch.

  • Vertikale Achse – Wahrscheinlichkeit: < 1 %, 2–10 %, 11–50 %, 51–90 % und 91–100 %.

  • Grün: geringe Kombination aus Wahrscheinlichkeit und Auswirkung. Beobachten und in angemessenen Abständen neu bewerten.

  • Orange: mittlerer bis hoher Handlungsbedarf. Maßnahmen, Verantwortliche und Prüftermin festlegen.

  • Rot: hohe oder kritische Exposition. Unverzüglich behandeln, eskalieren und Auswirkungen auf Termin, Budget und Qualität prüfen.

Wichtig: Die Farbe ersetzt keine fachliche Entscheidung. Ein seltenes, aber kritisches Ereignis kann für die Projektleitung ebenso relevant sein wie ein häufiges Risiko mit mittlerem Impakt.

Beispiel: Ein Lieferausfall der Fassade mit 8 % Wahrscheinlichkeit kann wegen seines wichtigen Impakts eine Ausweichbeschaffung rechtfertigen. Eine verspätete Planfreigabe mit 45 % Wahrscheinlichkeit verlangt dagegen vor allem einen verbindlichen Entscheidungs- und Eskalationsweg.

Status und Lebenszyklus

Status

Bedeutung

Bearbeitung

geplant

Risiko wird erfasst und bewertet.

Stammdaten und Beschreibung sind bearbeitbar. Nur in diesem Status ist reguläres Löschen möglich.

aktiv

Risiko wird überwacht und Maßnahmen werden verfolgt.

Die Bewertung ist geschützt. Für Änderungen kann das Risiko über das Statusmenü zurück auf „geplant“ gesetzt werden.

kompensiert

Das Risiko ist durch Maßnahmen beherrscht, entfallen oder akzeptiert.

Der Eintrag verschwindet aus der aktiven Risikoliste; Historie und Dokumentation bleiben erhalten. Bei Bedarf kann er wieder auf „geplant“ gesetzt werden.

storniert

Der Risikoeintrag ist fachlich ungültig geworden.

Dieser Status ist nicht in jeder Standardansicht als direkter Menüpunkt verfügbar.

Die Statussymbole verwenden blau für geplant, rot für aktiv, grün für kompensiert und grau für storniert.

Risiko anlegen und bewerten

  1. Öffnen Sie das Projekt, aktivieren Sie den Bearbeitungsmodus und wechseln Sie zu Risiken.

  2. Klicken Sie auf Neu.

  3. Formulieren Sie eine kurze Bezeichnung nach dem Muster Ursache – mögliches Ereignis – wichtigste Wirkung.

  4. Wählen Sie intern oder extern und danach die passende Gefahrenquelle.

  5. Bewerten Sie Impakt, Zieldimension und Wahrscheinlichkeit.

  6. Beschreiben Sie Ursache, Frühindikatoren, konkrete Auswirkungen, Reaktion und verbleibendes Restrisiko.

  7. Speichern Sie das Risiko.

  8. Legen Sie im Reiter Aktivitäten konkrete Maßnahmen mit Verantwortlichen und Terminen an.

  9. Setzen Sie das Risiko über Status → aktiv, sobald es in die laufende Überwachung aufgenommen wird.

  10. Setzen Sie es auf kompensiert, wenn die Behandlung abgeschlossen und das verbleibende Risiko akzeptiert ist.

Eine belastbare Risikobeschreibung

Eine gute Beschreibung beantwortet sechs Fragen:

  1. Ursache: Warum könnte das Ereignis eintreten?

  2. Ereignis: Was könnte konkret passieren?

  3. Wirkung: Welche Zeit-, Budget- oder Qualitätsfolge entsteht?

  4. Frühindikator: Woran erkennen wir eine steigende Wahrscheinlichkeit?

  5. Maßnahme: Was wird vorbeugend oder reaktiv getan?

  6. Verantwortung: Wer überwacht das Risiko und wer setzt die Maßnahme um?

Beispiel: Weil die Entwässerungsplanung noch nicht freigegeben ist, könnten die Erdarbeiten nicht zum vereinbarten Termin beginnen. Dadurch würde der kritische Terminpfad um drei Wochen verschoben. Frühindikator ist eine fehlende Freigabe zehn Arbeitstage vor Baubeginn. Maßnahme: wöchentlicher Freigabetermin, Eskalation an den Auftraggeber und vorbereitete Umplanung der Baufolge.

Praxisbeispiele mit klarer Wirkung

Generalunternehmer – Insolvenz eines Nachunternehmers

Kategorie / Quelle

extern / Nachunternehmer und Lieferanten

Bewertung

Impakt kritisch, Dimension alle, Wahrscheinlichkeit 20 %

Mögliche Wirkung

Vergabepaket fällt aus; Ersatzvergabe verursacht vier bis acht Wochen Verzögerung, höhere Einkaufspreise und Schnittstellenrisiken.

Frühindikatoren

Forderung nach ungewöhnlich hoher Vorauszahlung, Lieferantenmahnsperren, sinkende Baustellenbesetzung.

Maßnahmen

Bonitätsprüfung, Alternativbieter bereithalten, Leistungsstand und Materialien sichern, Step-in- und Kündigungsrechte prüfen.

Generalunternehmer – politisches Ereignis und Lieferkette

Kategorie / Quelle

extern / Politik und Geopolitik

Bewertung

Impakt wichtig, Dimension Zeit und Budget – bei gemeinsamer Wirkung „alle“, Wahrscheinlichkeit 15 %

Mögliche Wirkung

Embargo oder Grenzschließung verhindert die Lieferung von Fassadenprofilen; Ersatzmaterial führt zu Mehrkosten und neuer technischer Freigabe.

Maßnahmen

Zweitquelle innerhalb eines anderen Wirtschaftsraums, vorgezogene Bestellung, technische Gleichwertigkeit vorab klären, Preisgleitungsregel prüfen.

Tiefbau – Starkregen und Hochwasser

Kategorie / Quelle

extern / Wetter und Naturereignisse

Bewertung

Impakt kritisch, Dimension alle, Wahrscheinlichkeit 35 %

Mögliche Wirkung

Baugrube läuft voll, Böschung wird instabil, Geräte fallen aus und der Terminplan verschiebt sich. Zusätzlich entstehen Pump-, Sicherungs- und Wiederherstellungskosten.

Frühindikatoren

Unwetterwarnung, steigender Pegel, zunehmender Wasserandrang in der Baugrube.

Maßnahmen

Wasserhaltung dimensionieren, Pumpenreserve und Notstrom vorhalten, Material erhöht lagern, Alarm- und Räumungsplan festlegen.

Tiefbau – unbekannte Leitung oder Altlast

Kategorie / Quelle

extern / Baugrund und Bestand

Bewertung

Impakt wichtig, Dimension Zeit oder alle, Wahrscheinlichkeit 30 %

Mögliche Wirkung

Aushub muss gestoppt, Leitung gesichert oder Boden gesondert entsorgt werden. Stillstand, Nachtrag und behördliche Abstimmung folgen.

Maßnahmen

Leitungsauskunft, Suchschlitze, Baugrund- und Schadstofferkundung, Entsorgungswege und Einheitspreise vorbereiten.

Hochbau – Sturm beeinträchtigt Kran- und Fassadenarbeiten

Kategorie / Quelle

extern / Wetter und Naturereignisse

Bewertung

Impakt bedeutend, Dimension Zeit, Wahrscheinlichkeit 45 %

Mögliche Wirkung

Hübe und Fassadenmontage müssen wiederholt unterbrochen werden; Folgegewerke verlieren Arbeitsflächen.

Maßnahmen

Wetterfenster in Feinplanung berücksichtigen, Vorfertigung und Innenarbeiten vorziehen, Kran- und Montagekapazität flexibel disponieren.

Hochbau – verspätete Brandschutzfreigabe

Kategorie / Quelle

extern / Genehmigungen und Behörden

Bewertung

Impakt kritisch, Dimension Zeit und Qualität – bei gemeinsamer Wirkung „alle“, Wahrscheinlichkeit 25 %

Mögliche Wirkung

Ausbauplanung bleibt offen, Abschottungen werden falsch vorbereitet und die Inbetriebnahme verschiebt sich.

Maßnahmen

Prüfliste der Nachweise, feste Abstimmungstermine, vorgezogene Detailfreigaben und klarer Entscheidungsweg.

Architekturbüro – Erkrankung oder Kündigung der Projektleitung

Kategorie / Quelle

intern / Organisation und Personal

Bewertung

Impakt kritisch, Dimension alle, Wahrscheinlichkeit 20 %

Mögliche Wirkung

Entscheidungswissen, Auftraggeberkontakte und Kenntnis offener Planungsfragen fehlen. Freigaben verzögern sich; Einarbeitung verursacht Zusatzaufwand.

Frühindikatoren

Dauerhafte Überlastung, hohe Resturlaubsstände, fehlende Stellvertretung, zunehmende Dokumentationslücken.

Maßnahmen

Benannte Stellvertretung, regelmäßige Übergabedokumentation, Doppelbesetzung kritischer Termine, strukturierte Ablage und Kontaktmatrix.

Aha-Effekt: Die Maßnahme „Stellvertretung benennen“ senkt nicht zwingend die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung oder Kündigung. Sie reduziert vor allem den Impakt auf das Projekt.

Architekturbüro – späte Nutzeränderung

Kategorie / Quelle

extern / Auftraggeber und Nutzer

Bewertung

Impakt wichtig, Dimension alle, Wahrscheinlichkeit 40 %

Mögliche Wirkung

Grundriss, TGA und Brandschutz müssen überarbeitet werden; bereits freigegebene Planung verliert Gültigkeit.

Maßnahmen

Entscheidungskalender, dokumentierter Planungsfreeze, Änderungsantrag mit Termin- und Honorarauswirkung.

Generalplaner – mangelhafte Fachplanerkoordination

Kategorie / Quelle

intern / Planung und Schnittstellen

Bewertung

Impakt kritisch, Dimension Qualität oder alle, Wahrscheinlichkeit 30 %

Mögliche Wirkung

Kollisionen zwischen Tragwerk, TGA und Architektur werden zu spät erkannt. Umplanung, Nachträge und Bauzeitverlängerung folgen.

Frühindikatoren

Uneinheitliche Modellstände, viele ungeklärte BCF-Punkte, fehlende Freigaben an Schnittstellen.

Maßnahmen

Verbindlicher Koordinationskalender, Modellprüfungen, Verantwortungsmatrix, Freigabestatus und Eskalationsgrenzen.

Generalplaner – schleppender Informationsfluss

Kategorie / Quelle

intern oder extern / Kommunikation und Entscheidungen

Bewertung

Impakt wichtig, Dimension Zeit, Wahrscheinlichkeit 50 %

Mögliche Wirkung

Fachplaner arbeiten mit veralteten Randbedingungen; Entscheidungen werden mehrfach vorbereitet und Termine rutschen.

Maßnahmen

Informationsanforderungsliste, Verantwortliche und Fälligkeiten, gemeinsamer Datenraum, protokollierte Eskalation.

Weitere Beispiele für Markt-, Preis- und geopolitische Risiken

Risiko

Einordnung

Konkreter Impakt

Mögliche Maßnahmen

Stahlpreissprung

extern / Markt und Finanzierung
Budget, wichtig, z. B. 55 %

Bewehrungsstahl und Stahlbau überschreiten den kalkulierten Ansatz; Vergaben oder Nachträge verteuern das Projekt.

Preisbindung anfragen, Vergabe vorziehen, Alternativen prüfen, Budgetreserve und Preisgleitklausel bewerten.

Baukosteninflation

extern / Markt und Finanzierung
Budget oder alle, kritisch, z. B. 60 %

Mehrere Gewerke werden gleichzeitig teurer; Auftragssumme, Deckungsbeitrag und Finanzierung geraten unter Druck.

Kostenprognose regelmäßig fortschreiben, Indizes beobachten, Vergabepakete priorisieren, Reserven und Leistungsumfang abstimmen.

Eskalation des russischen Kriegs gegen die Ukraine

extern / Politik und Geopolitik
alle, wichtig oder kritisch

Lieferwege, Energiepreise oder Verfügbarkeit von Stahl, Bitumen und technischen Komponenten verändern sich; Termine und Einkaufspreise werden unsicher.

Herkunft kritischer Materialien prüfen, Zweitlieferanten qualifizieren, längere Vorläufe einplanen, Preis- und Terminfolgen separat bewerten.

Energiepreisschwankung

extern / Markt und Finanzierung
Budget, bedeutend

Transport, Asphalt, Betonfertigteile oder energieintensive Baustoffe verteuern sich.

Energieabhängige Lose identifizieren, Preisbindungen und Alternativmaterialien prüfen, Kostenprognose anpassen.

Zinsanstieg oder Finanzierungsengpass

extern / Markt und Finanzierung
Budget und Zeit, wichtig

Der Auftraggeber verschiebt Freigaben oder Bauabschnitte; Zahlungsplan und Projektlaufzeit ändern sich.

Finanzierungsmeilensteine verfolgen, Freigaben terminieren, abschnittsweise Beauftragung und Liquiditätswirkung abstimmen.

Nachunternehmer fordert Preisnachtrag

extern / Nachunternehmer und Lieferanten
Budget, wichtig

Ein Gewerk droht mit Leistungsverzögerung oder Rückzug; Ersatzvergabe kann zusätzliche Kosten und Zeitverlust verursachen.

Vertragslage prüfen, Mengen und Leistungsänderungen trennen, Alternativangebote vorbereiten, Entscheidung und Verhandlung dokumentieren.

Aha-Effekt: „Inflation“ allein ist noch keine gute Risikobeschreibung. Belastbar wird der Eintrag erst mit dem betroffenen Gewerk, der erwarteten Preiswirkung, dem relevanten Vergabezeitpunkt und einer konkreten Reaktion.

Typische Fragen an Synapcus Guru

Je konkreter Risiken und Aktivitäten gepflegt sind, desto zielgerichteter lassen sie sich abfragen. Geeignete Fragen sind zum Beispiel:

  • Welche aktiven Risiken unseres Projekts haben den Impakt „kritisch“?

  • Welche Risiken betreffen Budget oder Lieferketten und liegen über 50 % Wahrscheinlichkeit?

  • Welche Projekte sind aktuell von Stahlpreissteigerungen, Inflation oder Energiepreisen betroffen?

  • Welche Risiken stehen im Zusammenhang mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine, und welche Maßnahmen sind hinterlegt?

  • Welche Maßnahmen zu Starkregen, Hochwasser oder Baugruben sind noch offen?

  • Bei welchen Projekten besteht ein Risiko durch Erkrankung oder Kündigung der Projektleitung?

  • Welche kompensierten Risiken hatten ursprünglich einen kritischen Impakt?

  • Welche Risiken haben noch keine Maßnahme oder keinen klaren Prüftermin?

Hinweis: Synapcus Guru kann nur Informationen auswerten, die strukturiert und nachvollziehbar gepflegt wurden. Aussagekräftige Bezeichnungen, korrekte Kategorie und Gefahrenquelle sowie konkrete Aktivitäten verbessern die Antwortqualität.

Maßnahmen über Aktivitäten steuern

Im Reiter Aktivitäten können Maßnahmen direkt am Risiko angelegt und verfolgt werden. Eine Maßnahme sollte mindestens enthalten:

  • konkretes Ergebnis statt allgemeiner Absicht,

  • verantwortliche Person,

  • Fälligkeit beziehungsweise Prüftermin,

  • Nachweis der Erledigung,

  • nächsten Termin zur Neubewertung des Risikos.

Solange Aktivitäten mit einem Risiko verknüpft sind, kann der Risikoeintrag nicht gelöscht werden. Das schützt die Nachvollziehbarkeit der Maßnahmen.

Risiken regelmäßig überprüfen

  1. Neue Risiken und Frühindikatoren im Projektmeeting aufnehmen.

  2. Wahrscheinlichkeit und Impakt bei neuen Erkenntnissen neu bewerten.

  3. Überfällige Aktivitäten nachverfolgen.

  4. Termin- und Kostenfolgen in Ressourcenplanung, Projektterminplan und Controlling übernehmen.

  5. Bei Leistungsänderungen Nachtrag oder geänderte Position dokumentieren.

  6. Beherrschte Risiken auf „kompensiert“ setzen; nicht einfach löschen.

Löschen und Nachvollziehbarkeit

Ein Risiko kann regulär nur im Status geplant gelöscht werden. Zusätzlich dürfen keine verknüpften Aktivitäten vorhanden sein. Aktive oder kompensierte Risiken sollten über den Status gesteuert werden, damit Entscheidungen und Maßnahmen nachvollziehbar bleiben.

Achtung: Löschen Sie ein Risiko nicht nur deshalb, weil es unangenehm oder unwahrscheinlicher geworden ist. Aktualisieren Sie die Bewertung oder setzen Sie es nach abgeschlossener Behandlung auf „kompensiert“.

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